Ein Oldtimer ist mehr als nur ein Auto – er ist eine Herzenssache und für viele die Erfüllung eines langgehegten Traumes. Bevor man sich jedoch dem nostalgischen Charme eines klassischen Fahrzeugs hingibt, gilt es, gut vorbereitet an die Sache heran zu gehen, um Enttäuschungen und hohe Folgekosten zu vermeiden. Man sollte sich vorher genaue Gedanken dazu machen, welches Fahrzeug, mit welcher Ausstattung das richtige für einen ist. Hierbei können z.B. Aspekte wie die Nutzungsanforderungen, Kosten, Ersatzteilversorgung und die Verfügbarkeit einer Oldtimer-Werkstatt im näheren Umfeld eine Rolle spielen. Für eine Beratung zum Thema alltagstaugliche Oldtimer können Sie sich hier informieren. Im Folgenden möchten wir Ihnen ein paar Tipps mit an die Hand geben, damit der Kauf Ihres nächsten Klassikers ein Erfolg wird.
Eindruck des Verkäufers
Hier gilt es, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Da nicht immer für alle Aspekte der Fahrzeuggeschichte Nachweise vorliegen, ist das Wort des Verkäufers in vielerlei Hinsicht Ihr einziger Anhaltspunkt für die Historie des Fahrzeugs. Es ist also sehr wichtig, dass Ihnen ein vertrauenswürdiger Mensch gegenüber steht. In einem persönlichen Gespräch bekommt man meist schnell ein Gefühl für das Gegenüber. Wimmelt es von Ungereimtheiten und unsicheren Aussagen, so kehren Sie der Situation lieber den Rücken und seien Sie konsequent, wenn Ihnen die Sache spanisch vorkommt. Auf der anderen Seite sollte man darauf achten, nicht misstrauisch oder insinuierend aufzutreten, um keine angespannte Stimmung zu erzeugen. Es ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Unsere klare Empfehlung ist, sich eine emotional unabhängige Person (am besten mit Sachverstand) mitzunehmen, um zu vermeiden, dass man sich von der Idee, ein solches Fahrzeug zu besitzen, blenden lässt. Es gibt zudem die Möglichkeit, durch eine Fachwerkstatt oder z.B. dem ADAC Unterstützung in der Begutachtung zu erhalten. Auch wir bieten einen solchen Service an. Bei Interesse können Sie uns hier kontaktieren. Es gilt immer das Motto: "Man kann kaufen, muss aber nicht!"
Vorgeschichte und nachweisbare Wartung & Pflege
Die Historie eines Oldtimers ist von großem Wert. Wartungsnachweise, Rechnungen und gegebenenfalls ein lückenlos geführtes Scheckheft geben Aufschluss darüber, wie sorgsam das Fahrzeug behandelt wurde. Allein der Fakt, ob der Verkäufer diese Nachweise aufgehoben hat oder nicht, kann ein Indiz für dessen Beziehung zum Fahrzeug sein. Wer sein Auto schätzt und sich viel damit beschäftigt, hat meist auch einen gepflegten Ordner, in dem akribisch alle Rechnungen und TÜV-Berichte gesammelt wurden. So ein Ordner ist immer ein gutes Zeichen für ein ehrliches Auto und einen gewissenhaften Besitzer. Ein gepflegter Oldtimer, welcher regelmäßig gewartet wurde, am besten in einer spezialisierten Oldtimer-Werkstatt, kann sich sogar im Alltag, auch bei hoher Laufleistung, zuverlässiger verhalten, als so manches zeitgenössisches Fahrzeug. Sollten aus Rechnungen etc. hervorgehen, in welcher Werkstatt das Fahrzeug betreut wurde, kann es sinnvoll sein, dort einmal anzurufen und sich über das Fahrzeug zu erkundigen.
Rost und Unfallschäden
Rost ist der Erzfeind eines jeden Oldtimers und oftmals die größte Risikoquelle, da Karosseriearbeiten schnell teuer werden können. Es ist wichtig, nicht nur oberflächlich die klassischen Stellen wie die Radhäuser zu begutachten, sondern sorgfältig das ganze Fahrzeug zu kontrollieren. Entscheidende Punkte sind dabei vor allem die Scheibenrahmen und tragende Teile unter dem Fahrzeug. Für genauere Auskunft über modellspezifische Schwachstellen kann man in Fachzeitschriften wie z.B. der "Oldtimer Markt" wertvolle Kaufberatungen finden. Es kann sich auch lohnen, nach Möglichkeit, die Teppiche in den Fußräumen anzuheben, um eventuelle Feuchtigkeit zu entdecken. Generell sollten die Fußräume aber immer durch Anfassen auf Feuchtigkeit geprüft werden. Beim Unterboden gilt besondere Vorsicht. Am besten sollten Sie das Fahrzeug auf einer Hebebühne begutachten, da auf dem Boden stehend viele Stellen nicht zu erreichen sind. Ist der gesamte Unterboden mit einem Unterbodenschutz lackiert, muss das nicht immer heißen, dass man sich um Rost keine Gedanken machen muss. Hier sollte definitiv durch leichtes Drücken und Klopfen geprüft werden, ob sich unter dem Schutz nicht doch Feuchtigkeit gesammelt hat. Ein Anhaltspunkt ist hier auch der Gesamteindruck; Ist das Fahrzeug an vielen Stellen rostig, ist es unwahrscheinlich, dass der Unterboden verschont geblieben ist. Eine professionelle Inspektion durch eine Oldtimer-Werkstatt kann helfen, versteckte Mängel zu entdecken, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.
Wenn Sie Informationen zur Rostprevention suchen, kommen Sie hier zu unserem Blogartikel zu diesem Thema.
Lackzustand
Der Zustand des Lacks verrät viel über die Pflege und den Standort des Fahrzeugs. Originaler und gut erhaltener Lack steigert den Wert des Oldtimers erheblich, weshalb es wichtig ist, zu prüfen, ob nachlackiert wurde. Farbabweichungen oder eine ungleichmäßige Oberfläche (z.B. Orangenhaut) können Hinweise auf Reparaturen oder Unfallschäden sein.
Zustand des Innenraums
Ein gut erhaltener Innenraum ist ein Indikator für den sorgfältigen Umgang mit dem Fahrzeug. Beschädigte Polster, sprödes Leder oder abgenutzte Verkleidungen können kostspielig in der Reparatur sein. Außerdem sind manche Stoffe und Lederfarben nicht mehr so leicht zu bekommen. Gerade ausgefallene Farben und bemusterte Materialien sind oft nicht mehr verfügbar. Das gleiche gilt für Verkleidungsteile und Blenden (speziell bei Fahrzeugen ab den 70er Jahren). Wenn Sie nach dem Kauf eine Reparatur in eine solche Richtung planen, kann es sinnvoll sein, vorher mit einer Autosattlerei in Kontakt zu treten und die Verfügbarkeit der Materialien zu prüfen.
Technischer Zustand des Motors und Funktion der Ausstattung
Der Motor ist das Herzstück eines jeden Oldtimers. Leckagen, unregelmäßiger Lauf, ungewöhnlichen Geräuschen oder Rauchentwicklung sind Warnsignale, die nicht ignoriert werden dürfen. Ebenso sollte die Funktion aller elektrischen und mechanischen Ausstattung wie dem Schiebedach, Fensterhebern oder ggf. der Klimaanlage geprüft werden. Eine Probefahrt ist unverzichtbar, um den Zustand umfassend zu bewerten. Vor der Probefahrt sollten aber noch alle Betriebsflüssigkeitsstände geprüft werden. Ein zu geringer Füllstand dieser Flüssigkeiten kann beispielsweise nicht nur ein Hinweis auf einen technischen Schaden, sondern auch auf mangelnde Wartung sein.
Überprüfung auf Importstatus
Ein Import aus trockenen und warmen Regionen ist per se nichts Schlechtes. Es sollte aber definitiv überprüft werden, ob schon deutsche Papiere vorhanden sind, oder wenigstens alle dafür benötigten Unterlagen. Mit vollständigen Nachweisen (Verzollungsbescheinigung und Nachweis der Abmeldung im Ausland) stellt es innerhalb Europas meistens kein großes Problem dar, deutsche Papiere für ein Fahrzeug zu beantragen. Manche Länder bieten sehr gute Informationsdatenbanken über die im Land zugelassenen Fahrzeuge. In der Schweiz gibt es beispielsweise zu jedem Fahrzeug eine Art Scheckheft, welches verpflichtend ist und anhand dessen die Laufleistung und andere Informationen nachvollzogen werden können. In den USA gibt es ein zentralisiertes System namens "CarFax". Hier lässt sich anhand der Fahrgestellnummer nachvollziehen, ob das Fahrzeug schon einmal verunfallt war oder ähnliche Vorfälle stattfanden. Es sollte allerdings stets überprüft werden, ob das Fahrzeug bezüglich Emissionen und z.B. der Beleuchtungsanlage in Deutschland ohne weiteres zugelassen werden kann. Hier galten nicht immer gleiche Bestimmungen in allen Ländern. Bei Importen aus EU-Ländern ist man aber meist auf der sicheren Seite. Noch ein kleiner Tipp: Wenn im Fahrzeugschein bei den vorherigen Besitzern ein "-" eingetragen ist, so handelt es sich meist um ein Importfahrzeug. In diesen Fällen konnten die deutschen Behörden die Anzahl der Vorbesitzer nicht zweifelsfrei feststellen.
Originalität und Matching Numbers
Die Gewichtung der Originalität hängt vom Anforderungsprofil des Käufers ab. Soll das Fahrzeug gefahren werden, so ist der Erhaltungszustand deutlich wichtiger, als die Originalität. Ist das Fahrzeug allerdings für eine Sammlung gedacht, so kann dies anders aussehen. Gerade bei hochpreisigen Oldtimern ist die Originalität ein zentraler Wertfaktor. Prüfen Sie, ob der Lack und die Ausstattung der Auslieferungskonfiguration entsprechen. Ebenso sollten die Motorkennnummer und die Fahrgestellnummer zusammenpassen (Matching Numbers). Um dies zu überprüfen, kann eine Anfrage beim Hersteller gestellt werden. Bei günstigeren Fahrzeugen spielt dies in der Regel eine untergeordnete Rolle.
Der Ist-Zustand als Priorität
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, ein günstiger Oldtimer mit Mängeln sei eine lohnende Investition und man könne mit der Behebung der Mängel unterm Strich Geld sparen. Fast immer stellt sich jedoch heraus, dass die Reparaturkosten die anfänglichen Ersparnisse bei Weitem übersteigen. Daher ist es ratsam, den Ist-Zustand des Fahrzeugs zu priorisieren und lieber einen etwas höheren Kaufpreis in ein gut erhaltenes Exemplar zu investieren.
Fazit
Der Kauf eines Oldtimers erfordert Zeit, Wissen und Sorgfalt. Eine umfassende Prüfung des Fahrzeugs – von der Wartungshistorie über den technischen Zustand bis hin zur Originalität – ist unverzichtbar. Die Expertise von Profis aus einer Oldtimer-Werkstatt oder einer Autosattlerei kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Auch modellspezifische Kaufberatungen (z.B. auf Youtube onder in Fachzeitschriften) können eine gute Grundlage bieten. Man sollte sich trotzdem immer bewusst sein, dass, trotz optimaler Vorbereitung, immer ein Restrisiko bestehen bleibt, welches man bereit sein muss einzugehen. Ein bisschen Glück gehört also immer dazu.
Sie möchten einen Oldtimer kaufen? Schauen Sie doch mal bei unseren Fahrzeugangeboten vorbei. Alternativ beraten wir Sie gerne auch beim Kauf von einer Drittpartei. Dafür können Sie uns hier kontaktieren.
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